Regularitätstheorie der kausalen Relevanz · Erzählungen
Kausalität.
Acht Fälle, eine Definition.
Die Sirenen von Manchester heulen jeden Tag um fünf, und in London geht man heim; Eisverkauf und Ertrinken steigen zusammen; man sagt, ein Kurzschluss habe einen Brand verursacht, obwohl Kurzschlüsse für Brände weder hinreichend noch notwendig sind. Die Regularitätstheorie der kausalen Relevanz nach Graßhoff und May unterscheidet mit einer einzigen Definition die Faktoren, die für eine Wirkung kausal relevant sind, von denen, die nur regelmäßig mit ihr zusammen auftreten.
Die Theorie geht auf Graßhoff und May (2001) und May (1999) zurück. Die drei Bände sind Arbeitsfassungen (Stand 29.09.2026) und werden hier zur Diskussion bereitgestellt.
Eine Definition
Vier Begriffe, jeder setzt den vorigen voraus.
- 1
Faktor
Eine Art von Umstand, die in jedem einzelnen Fall entweder vorliegt oder fehlt. Auch die Wirkung ist ein Faktor.
Beispiel »Kurzschluss«, »Sauerstoff vorhanden«, »Brand«
- 2
Cluster
Eine Und-Verbindung von Bedingungen (»Faktor liegt vor« oder »Faktor fehlt«), die für die Wirkung hinreichend ist. Streicht man eine Bedingung, ist sie es nicht mehr.
Beispiel Kurzschluss und Sauerstoff vorhanden, für den Brand
- 3
Minimale Theorie
Eine Oder-Verbindung von Clustern, die für die Wirkung notwendig ist: In jedem Fall mit der Wirkung ist ein Cluster erfüllt. Streicht man einen Cluster, bleibt ein Fall mit der Wirkung, in dem kein übriger erfüllt ist.
Beispiel Kurzschluss mit Sauerstoff, oder brennbare Flüssigkeit mit Funke und Sauerstoff
Ein Faktor ist kausal relevant für eine Wirkung genau dann, wenn es für jede Menge von Faktoren, die ihn und die Wirkung enthält, eine aus dieser Menge gebildete minimale Theorie der Wirkung gibt, in der sein Vorliegen oder sein Fehlen Bedingung eines Clusters ist.
Ein Befund über die erfassten Faktoren stützt die Aussage, ein Faktor sei kausal relevant, beweist sie aber nicht: Weitere Faktoren können sie widerlegen. Kausale Relevanz ist kein Grad.
Wie ein Faktor bei erweiterter Faktorenmenge ausscheidet: Eiscreme und Ertrinken →Erzählungen
Jede Karte öffnet eine Erzählung mit animierten Diagrammen und Tabellen. Die Zahlen stammen aus den Bänden.
Grundbegriffe
Die Bildsprache, die Definition an einem Beispiel und der Unterschied zwischen einer Regularität und einem Einzelfall.
Die Bildsprache
Die Diagramme lesen
Pfeil, Bogen, Alternative, Fehlen, hohle und gefüllte Spitze: sechs Zeichen, mit denen sich jedes Diagramm lesen lässt.
Erzählung lesen →Cluster und minimale Theorie
Das Lagerhaus-Feuer
Weder hinreichend noch notwendig und doch kausal relevant: der Kurzschluss als Bedingung eines Clusters.
Erzählung lesen →Der Einzelfall
Suzie und Billy
Regularität und Einzelfall: Welcher Wurf die Flasche zerbrochen hat, zeigt der aktive Cluster, derjenige, dessen Bedingungen in diesem Fall alle erfüllt waren.
Erzählung lesen →Kausal relevant oder nur begleitend?
Drei Fälle, in denen ein Faktor kausal relevant scheint und es nicht ist.
Der paradigmatische Fall
Die Sirenen von Manchester
Wie ein Fall, an dem die Regularitätstheorie zu scheitern schien, durch die minimale Notwendigkeit gelöst wird.
Erzählung lesen →Gemeinsame Ursache
Eiscreme und Ertrinken
Regelmäßig zusammen, aber nicht kausal verbunden: Heißes Wetter ist für beide Wirkungen kausal relevant, der Eisverkauf nicht für das Ertrinken.
Erzählung lesen →Kein Unterschied im Ergebnis
Die Weiche
Ein Faktor, der das Gleis bestimmt und das Ergebnis nicht: warum die Weiche nicht kausal relevant für die Ankunft ist.
Erzählung lesen →Daten und Experimente
Wann ein Vergleich ein Urteil trägt, wann nicht, und was die Theorie dann verlangt.
Homogenität
Eine fehlende Bedingung genügt
Warum ein Experiment nicht alles konstant halten muss: Fehlt eine einzige Bedingung eines Clusters in allen verglichenen Fällen, so ist der Cluster in keinem von ihnen erfüllt.
Erzählung lesen →Experimentelle Daten
Die Statin-Studie
Was eine randomisierte Studie zu schließen berechtigt: Das Vorzeichen der Risikodifferenz entscheidet, ob das Statin Bedingung eines Clusters für das Ereignis oder für sein Ausbleiben ist.
Erzählung lesen →Simpsons Paradox
Nierensteine
Das Urteil wird ausgesetzt: Die Größe des Steins bestimmt mit, welche Behandlung ein Patient erhält.
Erzählung lesen →Die Bände
Drei Bände mit zusammen 96 Seiten, auf Englisch, als Arbeitsfassungen. Jeder Band ist online lesbar und als PDF verfügbar.
Qualitative Theorie
Minimale Theorien, Homogenität, der deduktive Weg zur kausalen Hypothese, kausale Hypergraphen und Fehlschlüsse.
Experimentelle Daten
Die beiden Homogenitätsprüfungen Gate A und Gate B, die Zerlegung der Risikodifferenz nach den Clustern der vollständigen Theorie, die Versuchspläne als Fälle derselben Schlussweise.
Fallbuch
Die Sirenen von Manchester, Sprachspiele der Literatur, qualitative und experimentelle Fälle, Prüfungen ganzer Aufsätze.
Quellen
Die Theorie
Graßhoff, G. und M. May (2001): Causal Regularities. In: W. Spohn, M. Ledwig und M. Esfeld (Hg.), Current Issues in Causation, Münster: Mentis, S. 85–114. — May, M. (1999): Kausales Schliessen. Dissertation, Universität Hamburg. — Baumgartner, M. und G. Graßhoff (2004): Kausalität und kausales Schliessen. Bern.
Die Fälle
Jede Erzählung folgt einem Fall aus Band I oder Band III; die Tabellen und Formeln sind die der Bände. Die Diagramme verwenden die Bildsprache der Bände.