Tractatus Typoskripte

Erzählung

Die Geschichte
der Typoskripte

Vier Kapitel: die drei Typoskripte, die Jahre 1918 und 1919, der Ostwald-Druck und die deutsch-englische Ausgabe sowie die Eingriffe von Hand.

  1. 1Drei Typoskripte und zwei Korrekturexemplare
  2. 21918 und 1919
  3. 3Der Ostwald-Druck und die deutsch-englische Ausgabe
  4. 4Die Eingriffe von Hand

Kapitel 1

Drei Typoskripte und zwei Korrekturexemplare

Der Band veröffentlicht die drei überlieferten Typoskripte der Abhandlung und das englische und das deutsche Korrekturexemplar der deutsch-englischen Ausgabe von 1922. Ziel ist nach der Einleitung neben der Veröffentlichung der Originaltyposkripte die Rekonstruktion ihrer Geschichte; auf jede Textinterpretation wird verzichtet. (Einleitung, Seite 11 des Digitalisats)

TS 204, das „Koder-Typoskript“, hat im Band 62 Seiten.

TS 202, das „Engelmann-Typoskript“, hat 80 Seiten. Es ist ein Durchschlag oder eine Kopie von TS 204 und wird trotzdem nach ihm geordnet; die Anordnung folgt der Entstehung, wie die Rekonstruktion sie ergibt.

TS 203, das „Vienna typescript“, hat 58 Seiten.

Das englische Korrekturexemplar hat 84 Seiten, das deutsche 67 (englisch, deutsch).

Kapitel 2

1918 und 1919

Nach der Rekonstruktion des Bandes entstand im Sommer 1918 TS 204 und als Durchschlag oder Kopie davon TS 202. Zunächst diente TS 204 als Druckexemplar: Wittgenstein versah es mit einigen Korrekturen mit Kopierstift und schickte es vor seiner Rückkehr an die italienische Front im September 1918 an den Verleger Jahoda.

TS 202 nahm er an die Front mit. Dort fügte er neue Zusätze ein und korrigierte es umfangreich, bevor er es im Juni 1919 aus dem Gefangenenlager Monte Cassino an Russell schickte. Wegen dieser Korrekturen galt ihm fortan TS 202 als das eigentliche Druckexemplar.

TS 204 gelangte von Jahoda an Hermine Wittgenstein. Sie ließ zwei Abschriften anfertigen: im Dezember 1918 eine für Frege, im März 1919 eine für Engelmann. Die zweite ist mit TS 203 identisch. Daraus folgt nach dem Band, dass TS 204 nicht das Frege-Exemplar ist und dass TS 203 nicht wie TS 204 und TS 202 im Sommer 1918 entstand.

Ende August 1919 kehrte Wittgenstein nach Wien zurück und bot TS 204 verschiedenen Verlegern an (Braumüller, Ficker, Reclam), während TS 202 bei Russell war. (Die Kapitel I und II des Teils A, ab Seite 19)

Kapitel 3

Der Ostwald-Druck und die deutsch-englische Ausgabe

Nachdem Wittgensteins Bemühungen um einen Verleger gescheitert waren, legte er die Veröffentlichung in Russells Hände. Dorothy Wrinch veranlasste in Russells Auftrag 1921 den Druck in Ostwalds Annalen der Naturphilosophie; er beruht auf TS 202.

Von Ostwald gelangte TS 202 Anfang 1922 zu Ogden. Ogden hatte auf der Grundlage von Ostwalds Druckfahnen, die er im Herbst 1921 erhielt, durch Ramsey bereits eine englische Übersetzung anfertigen lassen. Im Frühjahr 1922 nutzte er TS 202, um die Übersetzung zu korrigieren, und schickte sie Ende März 1922 an Wittgenstein. Der Druck in den Annalen erschien entgegen der Erwartung erst Ende März oder Anfang April 1922.

Mitte April erhielt Wittgenstein von Ogden ein Exemplar des Drucks und TS 202. Der Druck in den Annalen, nicht ein etwaiger Sonderdruck, diente als Korrekturexemplar für den deutschen Text der deutsch-englischen Ausgabe. Wittgenstein korrigierte das deutsche und das englische Korrekturexemplar im April 1922 und sah dabei auch TS 202 noch einmal durch.

Ogden sah beide Exemplare Anfang Mai mit Ramsey erneut durch, nach Wittgensteins brieflichen Ausführungen, und schickte einen Fragebogen. Nach Wittgensteins Antwort bearbeitete er sie ein letztes Mal und machte sie druckfertig. Die Druckfahnen sah Wittgenstein im August 1922 durch. Die Änderungen der Fahnen wurden in den Korrekturexemplaren nicht mehr berücksichtigt. Die deutsch-englische Ausgabe erschien im November 1922. (Kapitel III des Teils A, ab Seite 51)

Kapitel 4

Die Eingriffe von Hand

Die Rekonstruktion stützt sich nach der Einleitung auf den genauen Vergleich der Typoskripte, dessen Ergebnisse der Band in Tabellen wiedergibt, und auf bisher unveröffentlichte Briefe. Übereinstimmungen und Abweichungen der Textmerkmale zeigen, welche Typoskripte voneinander abhängen und welche Korrekturphasen es gab.

Zu den Textmerkmalen gehören vor allem die handschriftlichen Eintragungen. Im Seiten-XML der Tafeln sind Zusätze und Streichungen ausgezeichnet, mit Hand und Ort. Auf den 351 bisher gelesenen von 351 Tafeln stehen 1.434 Zusätze und 1.526 Streichungen oder Überschreibungen.

Die Zahlen sind Lesungen des Modells an den Tafeln. Sie zählen die ausgezeichneten Stellen, nicht die Korrekturphasen des Bandes, und sie sind kein Ersatz für seine Tabellen; sie zeigen, wie viel an handschriftlicher Überlieferung die Transkription bereits erschließt.

Der Band gibt die Farben der Eintragungen nicht farbig wieder; sie sind über Tabellen identifizierbar. Die Auszeichnung der Transkription unterscheidet deshalb nur Tinte, Bleistift und Maschinenschrift: 1.374 Zusätze mit Tinte, 53 mit Bleistift, 0 getippt, 7 ohne Angabe.